RAW Magdeburg – Freianlagen für ein neues Stadtquartier
Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks im Magdeburger Stadtteil Salbke entsteht in den kommenden Jahren eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekte der Region. Auf rund 25 Hektar sollen hier etwa 2.000 Wohnungen, Gewerbeflächen, soziale Infrastruktur und ein Quartierspark zu einem urbanen Ensemble zusammenwachsen, das ökologische Wirksamkeit mit hoher Aufenthaltsqualität verbindet.
MERA ist mit der Planung der Freianlagen beauftragt und entwickelt ein großzügiges, klimaaktives und vielfältiges Freiraumgefüge. Dabei wird der industrielle Charakter des Ortes bewusst aufgegriffen und weitergedacht, während gleichzeitig die räumlichen Grundlagen für ein zukunftsfähiges Wohn- und Arbeitsquartier geschaffen werden.
Die Ausgangslage – historische Industriebrache mit denkmalgeschütztem Bestand
Nach der Wende war das Reichsbahnausbesserungswerk zunächst in den Deutsche Bahn Konzern integriert worden. Der Betrieb verlor jedoch zunehmend an Bedeutung. 1998 wurde das Werk schließlich geschlossen und das Gelände sich selbst überlassen. Es blieb eine weitläufige Brache zurück, deren räumliche Identität stark durch die vorhandenen Gebäudeachsen und einzelne denkmalgeschützte Baustrukturen geprägt ist.

Die historische Substanz bildet den Rahmen für das neue Stadtquartier, in dem Vergangenheit und Zukunft sichtbar miteinander verbunden werden.
Großzügige Freiräume, bestehende Grünzüge und die Dimension des Areals eröffnen die Möglichkeit, ein eigenständiges, gut vernetztes und ökologisch wirksames Freiraumsystem zu entwickeln. Dieses wird der Geschichte des Ortes gerecht und entspricht zugleich den Anforderungen eines zeitgemäßen urbanen Lebensumfelds.
Unser Ansatz – Ästhetik, Funktionalität und Nachhaltigkeit im Einklang mit dem Ort
Der Planungsansatz zielt auf einen atmosphärisch ansprechenden, multifunktionalen und nachhaltigen Außenraum, der die Bedürfnisse der Menschen ebenso berücksichtigt wie ökologische Anforderungen. Die Gestaltung knüpft an die Identität des Ortes an und integriert den denkmalgeschützten Bestand behutsam in das neue Quartier. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Wiederverwendung vorhandener Materialien, durch die der industrielle Charakter des Areals sichtbar weitergeführt und zugleich Ressourcen geschont werden.
Klimaanpassung und Biodiversität sind dabei keine nachträglichen Ergänzungen, sondern bilden den strukturellen Kern des Entwurfs. Regenwasser wird künftig vor Ort zurückgehalten, versickert oder gespeichert und trägt so zur Bewässerung und Vitalität der Vegetation bei. Die Auswahl klimaresilienter und biodiversitätsfördernder Pflanzen schafft lebendige Freiräume mit hoher Aufenthaltsqualität und einer spürbaren Nähe zur Natur.
Das Konzept – Die verschiedenen Freiräume greifen ineinander und tragen die Struktur des neuen Quartiers
Das Freiraumkonzept verknüpft Plätze, Wege, Grünflächen und ökologische Funktionen zu einem multifunktionalen städtebaulichen Gesamtsystem. Über das gesamte Areal entsteht ein Netz attraktiver öffentlicher Räume, die von Norden nach Süden durch den sogenannten Denkmalpfad miteinander verbunden sind.
Eine klare Wegeführung, hochwertige Materialien, Sitzgelegenheiten, Schattenangebote und Wasserelemente schaffen Orte für Begegnung, Aktivität und Aufenthalt. Ergänzend bieten ruhigere Bereiche Rückzugsmöglichkeiten, während kulturelle und künstlerische Elemente zusätzliche Aufenthaltsqualität erzeugen.

Der Grünflächenanteil im gesamten Quartier ist hoch und bildet die Grundlage für vielfältige Nutzungs- und Erholungsräume. Mittelpunkt des neuen Stadtteils wird ein Quartierspark, der als Treffpunkt für alle Generationen dient und Bewegungsangebote sowie Spielbereiche für Kinder und Jugendliche integriert.

In den Randbereichen des Areals schaffen extensiv gestaltete Grünflächen wertvolle Lebens- und Rückzugsräume für geschützte Tier- und Pflanzenarten. Entlang der Straßen, auf Plätzen und in den Grünflächen verbessern großkronige Bäume das Mikroklima, insbesondere durch Verschattung in den warmen Monaten. Eine Mischung aus heimischen und klimaangepassten Pflanzenarten stärkt die ökologische Vielfalt und die klimatische Resilienz des Quartiers.
Nachhaltiges Regenwassermanagement als Gestaltungsbestandteil

Ein ganzheitliches Regenwasserkonzept setzt auf nachhaltige Lösungen wie Mulden, Retentionsflächen, Rigolen, begrünte Dächer und durchlässige Beläge. So kann Regenwasser künftig auf dem Gelände zurückgehalten, versickert oder gezielt wiederverwendet werden. Das System stärkt den natürlichen Wasserkreislauf, entlastet die Kanalisation und verbessert die Wasserversorgung der Vegetation.
Materialien aus der Vergangenheit als Identitätsträger des neuen Quartiers
Die Wiederverwendung vorhandener Materialien wie Klinker, Pflastersteine und Eisenbahnschwellen ist ein zentraler Bestandteil des Entwurfskonzepts. Sie schafft sichtbare Bezüge zur industriellen Vergangenheit des Ortes und trägt wesentlich zur Identität und Atmosphäre des neuen Quartiers bei.
Bestehende Materialien werden bewusst in neue Zusammenhänge überführt und prägen Wege, Plätze und Aufenthaltsbereiche. So bleibt die Geschichte des Areals im Alltag erlebbar, ohne museal zu wirken. Gleichzeitig leistet dieser Ansatz einen konkreten Beitrag zur Ressourcenschonung, indem er den effektiven Materialverbrauch reduziert und die Energieeffizienz verbessert.
Ergänzend dazu bewahrt die Integration denkmalgeschützter Gebäude und bestehender Strukturen den Charakter des Ortes und verleiht dem Quartier eine klare, unverwechselbare Identität. Im Zusammenspiel von Materialität, Bestand und Freiraum entsteht so ein gestalterisches Gesamtbild, das Vergangenheit und Zukunft verbindet und Freiräume mit Tiefe, Charakter und einer besonderen atmosphärischen Qualität schafft.
Das Ergebnis – Ein zukunftsfähiger, resilienter und identitätsstiftender Stadtraum
Mit der Entwicklung des RAW-Geländes entsteht in Magdeburg ein neues urbanes Quartier, dessen Freiräume künftig einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität leisten werden. Der Entwurf verbindet ökologische Wirksamkeit, soziale Aufenthaltsqualität und die historische Identität des Ortes zu einer resilienten städtischen Landschaft.
Durch die konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, Klimaanpassung und vielfältige Nutzungen entstehen Freiräume, die funktional, ästhetisch und langfristig zukunftsfähig sind. Für Magdeburg markiert die Entwicklung dieses Stadtquartiers einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer lebendigen und klimaresilienten Stadtlandschaft.
MERA freut sich, diesen zukunftsgerichteten und verantwortungsvollen Prozess entwurfs- und ausführungsplanerisch begleiten zu dürfen und die Entwicklung des neuen Stadtquartiers aktiv mitzugestalten.
Visualisierung: Renderatelier im Auftrag von META Architektur GmbH
Fotos: MERA GmbH