Neues Wohnen am Rugenbarg, HH – Freiraum als tragendes Gerüst

Wir freuen uns über den Gewinn des städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs für die Entwicklung des neuen Wohnquartiers an der Baudessin-Kaserne in Hamburg-Osdorf. Gemeinsam mit LRW Architektur und Stadtplanung haben wir ein Konzept entwickelt, das die vorhandenen Qualitäten des Ortes aufgreift und in eine zukunftsfähige Quartiersstruktur übersetzt.

Ausgangspunkt: Vorhandener Baumbestand

Ausgangspunkt der Planung war der Blick auf das Vorhandene: ein prägender Baumbestand mit alten Eichen, markanten Solitärbäumen und gewachsenen Gehölzstrukturen sowie die räumliche Nähe zur Osdorfer Feldmark. Diese landschaftlichen Elemente bilden das atmosphärische Fundament des Entwurfs.

Statt den Ort neu zu „überformen“, war es unser Ziel, diese Qualitäten weiterzudenken und in eine klare, lesbare Freiraumstruktur zu überführen.

Drei Höfe – drei Nachbarschaften

Das neue Quartier wird durch drei grün geprägte, autofreie Wohnhöfe gegliedert. Jeder Hof bildet eine eigenständige Nachbarschaft mit gemeinschaftlicher Mitte. Hier entstehen geschützte Freiräume, die vielfältige Nutzungen ermöglichen: Aufenthalt, Spiel, Begegnung und alltägliches Miteinander.

Axonometrische Darstellung eines neuen Wohnquartiers in der Stein-Hardenberg-Straße in Hamburg: Mehrere Gebäude gruppieren sich um grüne Innenhöfe und sind durch ein zusammenhängendes Freiraumsystem verbunden. Ein zentrales Quartiersband mit Wegen, Spiel- und Aufenthaltsflächen durchzieht das Gebiet und verbindet Nachbarschaftstreff, kleine Platzbereiche und gemeinschaftlich genutzte Freiräume. Dichte Baumbestände und ein waldartiger Grünraum prägen die Mitte des Quartiers, während Baumreihen und Eingangsbereiche die Ränder fassen. Planung: LH Architekten und MERA Landschaftsarchitekten.

Besonderes Augenmerk liegt auf den Übergängen zwischen privaten und gemeinschaftlichen Bereichen. Diese sind bewusst durchlässig gestaltet, sodass ein fließendes Miteinander entsteht und die Höfe im Alltag belebt werden.

Das Quartiersband als verbindendes Rückgrat

Ein zentrales Element des Entwurfs ist das Quartiersband, ein durchgehender, öffentlicher Grünraum, der die Höfe miteinander verknüpft. Es übernimmt mehrere Funktionen gleichzeitig: Es organisiert die Wegebeziehungen, schafft Orientierung und bietet eine Abfolge unterschiedlicher Aufenthaltsorte.

Dieser identitätsstiftende Grünsaum wirkt über das eigentliche Quartier hinaus. Es verbindet das neue Wohngebiet mit seiner Umgebung und trägt dazu bei, den gesamten Stadtraum aufzuwerten.

Wäldchen als prägender Landschaftsraum

Eine besondere Qualität des Ortes liegt im angrenzenden Wäldchen des benachbarten Bundeswehr-Areals. Auch wenn dieser Bereich nicht zugänglich ist, prägt er als dichter, zusammenhängender Landschaftsraum die Wahrnehmung des Quartiers.

Draufsicht auf ein Wohnquartier in der Stein-Hardenberg-Straße in Hamburg: Mehrere Gebäuderiegel und -gruppen sind um grüne Innenhöfe angeordnet und über ein Netz aus Wegen verbunden. Ein zentraler, dichter Baumbestand bildet einen waldartigen Freiraum, der das Quartier prägt und von Wohnbebauung umgeben ist. Entlang der Ränder verlaufen Baumreihen, während innerhalb der Höfe Spiel-, Aufenthalts- und Gemeinschaftsflächen angeordnet sind. Die Freiräume sind differenziert zoniert und verbinden Wohnen, Bewegung und Natur. Planung: LH Architekten und MERA Landschaftsarchitekten.

Diese visuelle Präsenz wurde bewusst in das Freiraumkonzept integriert. Das Wäldchen fungiert als grüner Hintergrund, der dem Quartier Tiefe verleiht und seine Einbindung in den landschaftlichen Kontext stärkt.

Klimaresilienz als selbstverständlicher Bestandteil

Neben der räumlichen Struktur spielt auch der Umgang mit Klima und Ressourcen eine zentrale Rolle. Die Freiraumgestaltung folgt einer naturnahen, klimaresilienten Strategie mit einem möglichst geringen Versiegelungsgrad.

Ein dezentrales Regenwassermanagement sorgt dafür, dass Niederschläge vor Ort zurückgehalten, versickert und gespeichert werden. Retentionsflächen, Versickerungsbereiche und Dachbegrünungen sind integraler Bestandteil des Freiraums und verbinden ökologische Funktion mit Aufenthaltsqualität.

Ein robustes Freiraumsystem

In der Gesamtheit entsteht ein Freiraumsystem, das klare räumliche Strukturen mit landschaftlicher Einbindung und alltagstauglicher Nutzung verbindet. Es bietet Orientierung, schafft Identität und lässt gleichzeitig Spielraum für Aneignung und Entwicklung.

Wir danken LRW Architektur und Stadtplanung für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Entwicklung dieses Entwurfes.

Perspektivische Darstellung eines begrünten Innenhofs in einem Wohnquartier: Mehrere mehrgeschossige Backsteingebäude umschließen einen gemeinschaftlich genutzten Freiraum. In der Mitte liegt eine Wiesenfläche mit geschwungenen Wegen, Trittsteinen und einzelnen Sitzbereichen. Ein großer Baum prägt den Hof und spendet Schatten, darunter stehen lose angeordnete Stühle und Tische. Bunte Wimpel sind zwischen den Gebäuden gespannt. Menschen unterschiedlichen Alters bewegen sich durch den Hof, gehen spazieren, unterhalten sich oder halten sich im Freiraum auf. Balkone und Laubengänge beleben die Fassaden und öffnen sich zum gemeinschaftlichen Außenraum.